Biodynamisches Choucroute  -  Badische Zeitung Mittwoch, 03. Dezember 2008 Badische Zeitung


Der Sauerkraut-Versteher


Bis Ende November wird im Elsass der Kohl für die regional Spezialität, das Choucroute, geerntet. Beim Gedeihen des Sauerkrauts von Arsène Bingert in Erstein, etwa 25 Kilometer südlich von Straßburg, wirken auch die großen Komponisten der klassischen Musik mit.
 

Foto: Jonaa Jäscke
Arsène Bingert baut Sauerkraut nach anthroposophischen Grundsätzen an. | Foto: Jonaa Jäscke

In der kleinen unscheinbaren Scheune riecht es säuerlich. Auf dem Metalltisch in der Mitte thront ein Berg Sauerkraut. Arsène Bingert schichtet ihn von einer Ecke des Tisches in die nächste.

 

Zwei Frauen wiegen Portionen ab und füllen sie in grüne Eimerchen. Auf den ersten Blick ist nichts Ungewöhnliches daran. Trotzdem schütteln die Bauern aus der Gegend den Kopf über Bingert und schimpfen: "Des isch doch a Zauberer".

 

 

 

Mondphasen und Menhire

Arsène Bingert stellt biologisch-dynamisches Sauerkraut her. "Wir wollten noch umweltverträglicher arbeiten als ein Bio-Betrieb", sagt der 57-Jährige. Bereits vor über 30 Jahren hatte er sich dem Bio-Landbau verschrieben. Damals war "Bio" in erster Linie eine Abkürzung für ein naturwissenschaftliches Schulfach und kein Gütesiegel. Im Jahr 2000 ist er dann zum biodynamischen Anbau übergegangen. Dahinter steckt ein Konzept, das auf den spirituellen Grundsätzen des Anthroposophen Rudolf Steiner beruht.

Bingert verwendet nur selbsthergestellten Dünger, beim Pflanzen und Ernten richtet er sich nach den Mondphasen. Auf seinen Feldern hat er fünf große Menhire, also Hinkelsteine, aufgestellt und getauft. Sie sollen den Kohl vor elektromagnetischen Strahlen, beispielsweise durch Funkmasten, schützen. Er rückt seinem Kohl nicht mit der chemischen Keule zu Leibe, sondern mit den Meistern der Klassik. Mozart, Vivaldi, ab und zu auf den Feldern gespielt, verbesserten den Ertrag der sonst sehr empfindlichen Pflanzen.

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